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Wie die NVA zu ihrem Waffenrock kam!
NDR Online - Grenzenlos - Bleiben- Aufstand bei der NVA
Der DDR dienen, im Motorisierten Schützenregiment 29 "Ernst Moritz Arndt". Das stand schon seit seinem Abitur im Frühjahr 1989 fest. Als er dann am 17. November in der Kaserne vereidigt wurde, herrschte eine seltsame Stimmung: Die Soldaten hatten tagelang das Marschieren im Gleichschritt geübt, die Stahlhelme glänzten, Stiefel und Uniformen sahen tadellos aus. Die Männer waren rasiert und aufgeregt, die Familie endlich wiederzusehen. Der Fahneneinmarsch verlief noch gewohnt zackig. Dann hielt der Regimentskommandeur mit den altbewährten Parolen vom siegreichen Sozialismus und vom imperialistischen Feind im Westen eine markige Rede.
Pfiffe bei der Vereidigung routiniert-scheppernd aufspielte, beendeten laute Buh-Rufe die feierlich-staatstragende Zeremonie vorzeitig. Die letzte Vereidigungsfeier nach altem Vorbild löste sich da schon auf. Die meisten Familien wollten nämlich nun unbedingt in den Westen fahren, so auch Söhnke Streckels Eltern. "Die Zeit ist schneller vorbei, als du jetzt denkst", tröstete ihn sein Vater. Er sollte Recht behalten. Kadavergehorsam und GoldbrandIn der Kaserne lebte Streckel wie unter einer Käseglocke, während sich draußen die Ereignisse rasant entwickelten. Kadavergehorsam und unfassbare Tristesse beherrschten in den nächsten Wochen den Alltag in der Kaserne: Wochenlang gab es keinen Ausgang. "Es war wie im Gefängnis", ist Streckels düstere Erinnerung. Eine harte Ausbildung zum Scharfschützen musste er über sich ergehen lassen. Mit einem eingeschmuggelten Fotoapparat entstanden ein paar Schnappschüsse. Die Aufnahmen hätten ihn damals ins Gefängnis bringen können. Nachts hörten die Männer Radionachrichten über die neue Welt vor dem Kasernentor und tranken Alkohol, etwa den beliebten Weinbrandverschnitt Goldbrand.
Drinnen sah alles anders aus."'Rotlichtbestrahlung': Das Feindbild Westdeutschland wurde nach wie vor heraufbeschworen. Damit konnte niemand mehr etwas anfangen. Die Offiziere wollten aber weiter Krieg spielen, gegen die vermeintlich gegnerischen Kräfte aus Lauenburg.", erzählt Streckel schmunzelnd.
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